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Wellenbrecher.

18 Aug

Und dann ist er einfach wieder da.

Dieser Song, der Eine. Wohl- und Übeltäter zugleich, der mich, meinen Kopf, mein Herz, ach … einfach die ganze Bagage bei den Händen nimmt und auf seine Reise entführt. Weit über die starren Grenzen der gewohnten Realität hinaus.

Ziellos, planlos, ganz weit weg. Kopflos und glücklich ins Nirgendwo der Welt.

Ton für Ton schraubt er sich durch meine Ohren, in Gehirnwindungen, beglückt Synapsen und hechtet mit einem perfekten Kopfsprung, mitten in die Erinnerungen. Anfangs nur leicht, schlägt er immer größere Wellen, bereit und sich dessen völlig bewusst, für einen kurzen Moment alles zu überfluten. Musik ist eine Zeitmaschine und ich bin ihr Kerosin.

Ohne mich wären ihre Mühen umsonst, ohne sie wäre ich nichts. Ich schließe die Augen und lasse mich tragen.

Sitze. Am Meer. Im muschelübersäten Sand. Auf dem kleinen, morschen Steg. Im Garten meiner Eltern. Auf dem Badfensterbrett meiner ersten eigenen Wohnung.

Laufe. Durch die Wälder der Heimat. Felder hinterm Haus. Straßen der Herzstadt. Alte Wege in neuen Schuhen. Unsere Gedankengänge entlang.

Liege. Im Gras am Ufer des Krähenteichs. Auf dem Dielenboden nachts um halb 2. In meinem Bett. Auf der Lauer. Über dir.

Und wünsche mir Halt. Einen „Pause“-Knopf für die kleine Welt in meinem Kopf und die große, auf der er gezwungen ist, umherzuwandeln. Einen „Instant-Wellenbrecher“ für die Hosentasche, immer dabei, allzeit bereit und niemals ermüdend. Mit noch immer geschlossenen Augen tasten sich meine Finger zum iPod, um zum nächsten Song zu skippen … und stoßen auf Widerstand. Warmen, weichen fünffachen Widerstand, der sich um meine Hand schließt und sie wie einen kleinen Vogel in sich birgt.

Und so bleibe ich liegen. Auf dem Fußboden und meiner Hand in deiner. Mit leicht salzigen Augen, weil die Erinnerungswellen noch immer schwappen. Kopflos und glücklich im Nirgendwo der Welt.

Lächelnd.

Und sicher, dass du nicht mein Rettungsboot sein musst …  aber kannst.

Genau jetzt sind wir Musik.

Einhundertdreiundachtzig.

12 Dez

Ein Dezembernachmittag, wie er im Buche steht.
Kalt, nass und eingehüllt in eine Dunkelheit, die sich wie eine Decke über den eigentlich noch jungen Tag legt.
Sie mochte das.
Und besonders ihren Heimweg nach der Arbeit, den sie immer zu Fuß ging.
Warum sich in die total überfüllte Ubahn quetschen, warum sich in einen Dunstnebel aus „Döner mit alles und scharf“, Billigdeo und Feierabendschweiß begeben? Wäre sie trainierte Apnoe-Taucherin, hätte sie ja Übung im Luftanhalten..aber so? Nein, danke.

Die nasse Allee unter ihren Füßen glitzerte in den Scheinwerfern der vielen Autos, die schier endlos auf und ab zu fahren schienen. Aufgereiht wie auf eine Perlenkette, eins nach dem anderen.
Aber sie nahm sie gar nicht richtig wahr, die Musik in ihren Ohren entführte sie und machte aus dem nassen Asphalt einen Wunderweg, direkt zu ihrer Wohnung.

183.
War es tatsächlich schon 183 Tage her, als sie am Bahnsteig stand..nervös und innerlich zitternd wie Espenlaub?
Gespannt auf das, was der Zug ihr gleich bringen würde..und vor allem: wen?
Die Zeit verging wie im Flug, 6 Monate wie ein Wimpernschlag.
Ihre Gedanke flogen zurück zu diesem Tag und vor ihren Augen spielte sich alles noch einmal ganz genauso ab, als wäre es gestern gewesen.
Das erste, was sie damals sah, war sein Lächeln.
Dann den ganzen Menschen.
Wie damals spürte sie jetzt seine Umarmung und das kleine Hüpfen ihres Herzens.
Arm in Arm standen sie auf dem Bahnsteig, zwei Seeen die sich eigentlich noch fremd waren..aber gleichzeitig schon so vertraut, als hätten sie ein ganzes Leben miteinander verbracht.

Sie schmunzelt ein bisschen, als sie bemerkt, wie kitschig das doch klingt. Aber das Kopfkino läuft weiter… .
Zurück in die Zeit vor diesem Tag.
War sie nicht die, die sich eigentlich auf nichts neues einlassen wollte?
Die eigentlich die Schnauze voll hatte von diesem ganzen Gefühlskram?
Die eigentlich „allein“ (nicht einsam) war und das auch bleiben wollte?
Ja.
Eigentlich.

Doch erstens kommt immer alles anders, als man zweites denkt..und drittens mochte sie das Wort „eigentlich“ sowieso nie.
Er tauchte plötzlich in ihrem Leben auf, hüpfte in ihre Welt und riss dabei Farbeimer um, von denen sie dachte, dass sie längst eingetrocknet wären.
Mit bunten Fußtappsen stolpert er nun durch ihre Gedanken, ihr tägliches Leben, ihr Herz…und nichts könnte besser sein.
Nichts könnte sie glücklicher machen, als zu wissen, dass es kein Lösungsmittel für diese Farbe gibt.

Egal was ihr in diesen Monaten passierte, er war da.
Egal was ihm in diesen Monaten passierte, sie war da.
Verbunden durch ein Gefühl, dass selbst die 300km zwischen ihnen in einen Katzensprung verwandelt.
Sollte das etwa tatsächlich und endlich dieses „Glück“ sein, nach dem immer alle suchen….?

Sie steckt den Wohnungsschlüssel ins Schloss, hört, schon während sie ihn umdreht, das Telefon klingeln und weiß….

…sie ist angekommen.

Etwas großes.

9 Feb

„Du glaubst, Du stehst alleine,
doch das stimmt so nicht.
Hier hast Du dich geirrt…“

Etwas großes steht vor deiner Tür.
Die Tür, die in deinen Augen ein Mauseloch ist. Für alle anderen ist sie ein Tor.
Groß, imposant..und mit weiten Flügeltüren, die das schönste deiner selbst preisgeben.
Würden sie sich öffnen. Würdest Du sie öffnen.
Du hast Angst, nichts könnte hindurch wollen…und wenn doch, dass es nicht passt.
Sich bei dem Versuch etwas abbricht, zusammenstaucht, sich verbiegt…und am Ende nicht mehr das ist, was Du dachtest zu sehen.
Und deshalb machst Du den Schritt, den Du auf deine Tür zugegangen bist wieder zurück..dann noch einen..und lässt sie verschlossen.

Du bleibst zurück in deiner kleinen Welt, geschaffen aus Gewohnheit, Routine und Angst.
Einst war die Sehnsucht deine Mitbewohnerin, doch irgendwann konntest Du sie nicht mehr ertragen. Nicht etwa, weil sie unordentlich, unzuverlässig oder gar schlampig war. Nein, im Gegenteil.
Nie gab es jemanden, der dich so gut kannte, dich immer wieder daran erinnerte wer Du eigentlich bist und sein willst. Niemanden, der je so ehrlich, aber behutsam seine sanften Finger auf deine größten Wunden legte.
Sie war immer da. Ob du es wolltest oder nicht. Sie hat sich nie aufgedrängt, Du allein konntest entscheiden, wieviel Zeit Du ihr schenkst.
Doch irgendwann war sie dir zu lästig, zu einnehmend…zu wahr.
Noch ehe sie sich versah, hattest Du bereits ihre Koffer gepackt und für dich entschieden, ein Leben allein zu führen. Ohne deine Sehnsucht. Ohne das, was dich immer ausmachte.

Sie nahm es hin, hat nicht gestritten oder sich gegen dich aufgelehnt…weil sie genau wusste, dass Du sie doch eigentlich brauchst. Sie gab dir Zeit und ging ruhig, ohne Chaos oder eine Spur zu hinterlassen.

Nur in deine Tür hat sie vor ihrem Verschwinden einen Spion eingebaut.
Eine Verbindung zu der Welt außerhalb deiner eigenen.
Eine kleine Flucht nach draußen..ein Fernglas für dein Herz.

Jeden Tag stehst du vor ihm, schaust hindurch und beobachtest alles. Stundenlang. Du wagst es nicht einmal laut zu atmen, aus Angst, jemand könnte dich von draußen hören. Und erkennen, dass es hinter dieser Tür doch Leben gibt. Und ein Herz, dass so laut schlägt, als würde es jeden Moment aus deiner Brust springen.

Etwas großes steht vor deiner Tür.
Deine Augen haben es gesehen.
Dein Herz hat es erkannt.
Dein Bauch sagt, dass es passt.

Zögernd tastet sich deine Hand nach vorn und liegt schon auf dem Schlüssel.
Niemand wird ihn für dich drehen, es gibt kein „Simsalabim“ oder „Sesam, öffne dich!“…

Also worauf wartest Du…?

Nicht.

4 Feb

„Ich will mich nicht verlieben.
Schon gar nicht in dich.

Das ist nicht Teil des Plans, es steht auf meiner „100 Dinge, die ich noch tun muss, bevor ich sterbe“-Liste nicht an 1.Stelle und überhaupt….nein!
Doch die Nächte, alte Songs, ein Astra zuviel & deine Worte, treiben komisch-lustige Spielchen mit mir.
Ich muss dich noch nicht mal sehen um zu wissen, dass das nicht sein kann.
Ich muss dich einfach nur sehen um zu wissen, dass ich nicht anders kann.

Du bist komisch. Ok, ich auch.
Aber deine Art, so wie Du dich gibst..so wie Du bist..ist einfach seltsam. Und deshalb unglaublich schön.
Ich mag es gern. Ich mag dich gern.
Aber bilde dir darauf bloß nichts ein, schließlich mag ich auch Käse mit Honig!
Oder das Gefühl, einfach mal allein durch die nächtlichen Straßen zu laufen & mir vorzustellen, das in jeder Laterne eine kleine, flirrende Glühwürmchenfamilie wohnt, die sie zum leuchten bringt.
So wie deine Augen leuchten, wenn wir uns sehen… .
Aber ich brauch dich nicht.

Nicht zum allein-sein. Ich will dich wirklich nicht.
Schon gar nicht zum allein-sein…. .
Ja, du sprichst großartig. Witzig, eloquent & manchmal so unverschämt frivol, dass ich nicht selten deine Worte in mir aufsauge.
Aber hey, denk jetzt nichts falsches oder gefühlsduseliges…schließlich besteht mein Lieblingsbuch aus nichts anderem als Worten. Und das kann ich immerhin einfach zuklappen und weg legen, wenn ich genug habe.
Bei dir funktioniert das nicht.
Du gehst immer von ganz allein.
..und meistens viel zu früh.

Eigentlich träume ich auch nur von dir, wenn ich mich vorher wieder innerlich darüber aufgeregt habe, wie ignorant Du doch sein kannst!
Oder Du dich wieder wild durch die Gegend flirtest…und nicht etwa, weil Du derjenige bist, der jede Nacht um mich kämpft und meine schlimmsten Monster besiegt.
Nein, deswegen nicht. Nein!

Zum Beispiel hasse ich es, wenn Du mich wie ein kleines Mädchen behandelst…um dich dann wieder diebisch zu freuen, wenn ich wegen dir und einem deiner blöden Sprüche verlegen und rot werde.
Und es ist mir in diesem Moment wirklich piepegal, dass ich ganz genau weiß, wie lieb Du es doch eigentlich meinst.
Ich will dich auch gar nicht jeden Tag sehen, besitze keine Fotos, Schnippsel oder Fetzen von dir, nichts! Gegen deine Bilder, die meine Herzwände von innen zieren fällt mir bestimmt auch noch etwas ein.
Terpentin oder so.
Oder einfach nicht mehr an dich denken… .
Aber das mache ich ja sowieso nur, um mir immer wieder selbst einzureden, wie blöd Du doch eigentlich bist.
Genauso blöd wie ich.. .

Du brauchst mich auch gar nicht mehr so anschauen, wenn wir zusammen sind.
Oder mich beiläufig in den Arm nehmen.
Oder meine Hände streicheln.
Oder so mit mir sprechen, wie nur Du es kannst.

Ich mache das zwar alles mit, lache, werde rot, berühre dich, hänge an deinen Lippen, genieße alles & möchte am liebsten die Zeit anhalten und uns in diesen Momenten in Gold gießen…aber nur, wirklich nur, weil ich mich, wirklich, nie & nimmer nicht in dich verlieben könnte!

Ich wollte mich nicht verlieben.
Das war nie Teil des Plans.
.
.
.
.
.
.
Nicht.“

Papierflugzeuge.

6 Sep

Öffne dein Fenster… .
Frag nicht warum, tu es einfach.
Atme tief durch…spürst du die Spannung in der Luft, kannst du sie fühlen?
Riechst du das Wage, das Ungewisse…das Abenteuer…?

Ein Sturm kommt auf…millionen Moleküle sammeln & bündeln sich zu einer Armee, einem Wall aus Wolken.
So fest, dass sie Mauern einreißen könnten, leicht wie ein Kartenhaus.
Strecke deine Arme aus dem Fenster, halte sie in den Wind…und wenn die ersten Regentropfen fallen & deine Haut benetzen, zieh sie nicht zurück.
Genieße den wohligen Schauer, der deinen Körper durchfährt..von der Zehenspitze bis zu den Haarwurzeln, wie ein kleiner Blitz.

Du bist wie elektrisiert, deine Sinne schärfen sich und das Blut rauscht nur so durch deine Adern.
Ball deine Fäuste und zeig deine Stärke..öffne sie wieder und lass dich berühren.
Stell dich in den Sturm, versuch dich zu halten… .
Stell dich gegen den Sturm, beharrlich wie ein Fels.

Alles äußere prallt an dir ab, du ruhst in dir.
Nichts kann dich umwerfen, nichts erschüttern. Die Naturgewalt zeigt sich dir in ihrer schönsten, rauhesten und wildesten Form…Du fühlst dich wie ein Teil des Ganzen.
Fühlst dich stark.
Ein Grashalm aus Stahl.

Es wird Zeit, das Fenster zu schließen und während Du es tust, umspielt ein siegreiches Lächeln deine Lippen. Du bist standhaft. Kannst fühlen. Alles in dir aufnehmen, es zu einem Teil deiner selbst werden lassen.
Als wärst du als heroischer Krieger in eine Schlacht gezogen, deren Triumph du nun mit wehenden Fahnen feiern möchtest.
Nichts kann dir etwas anhaben, nichts kann dich aus dem Konzept bringen, nichts…etwas stuppst dich sacht zwischen die Schulterblätter und fällt zu Boden.
Dann an den Arm, die Schläfen….du siehst herunter, hebst es auf und faltest es auseinander.
Und plötzlich wirst du weich, denn damit hast du nicht gerechnet…meine Worte auf diesem Papier jagen dir Sternenschauer über den Rücken und Du, der eben noch als harter Krieger auf seinem imaginären Schlachtfeld gekämpft hat, wirst nun ganz zart..ganz fein.

Dein Herz wird warm und du weißt ganz genau….mit meinen Papierflugzeugen habe ich soeben DEINE Mauern durchbrochen…. .

Ganz großes Kino.

24 Aug

Zwei an einem Tag.

17 Aug

17:55Uhr. 5 Minuten vor 6 & ich klappe den Buchrücken zu.
Fertig.
Fertig mit einem weiteren Roman, etlichen Seiten (541 um genau zu sein..ja, ich habe gerade nochmal nachgeschaut), die ich alle verschlungen, regelrecht eingesogen habe.
Wie den plötzlichen Duft eines Menschen, der an dir vorbeiläuft & auf so angenehme Art & Weise deine Sinne streichelt, dass du am liebsten ganz tief einatmen & diesem Menschen noch ein paar Meter in seine Richtung folgen möchtest.

Dieser Roman, „Zwei an einem Tag“ (wann ich ihn began, weiß ich nicht mehr so genau. Nur, dass ein verdammt heißer Sommertag in Berlin war, einer von der „Ich-sitze-auf-meiner-Fensterbank-und-lasse-die-emsig-wuselnde-Welt-einfach-Welt-sein“-sorte), ist nun zuende.
Ausgelesen, im wahrsten Sinne des Wortes.
Doch die Geschichte lässt mich nicht mehr los, Emma & Dexter.
Ihre Geschichte, die auch meine hätte sein können…doch niemals wurde, weshalb dieser Ausflug, dieser Trip in die Traumwelt, in das „Was-wäre-wenn?“, mich so fesselte & es noch immer tut.

Und alles nur durch Zufall.
Das Buch lag solange auf deinem Fensterbrett. Unbeachtet, von dir nicht gelesen und von mir meistens übersehen. Bis ich es in die Hand nahm & alles began… .

Perlen findet man schließlich auch nur, wenn man ganz tief taucht & sich die Mühe macht, die Austern danach auch zu knacken….